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Stumme Zeugen unter Tage: Das Bergwerk Márkushegy

Wer heute auf das Gelände des ehemaligen Bergwerks Márkushegy blickt, sieht das steinerne Erbe einer vergangenen Epoche. Es ist ein Ort voller Geschichte, harter Arbeit und Melancholie – denn Márkushegy war Ungarns letztes im Tiefbau betriebenes Kohlebergwerk. Im Dezember 2014 fuhr hier die letzte Schicht aus, und ein jahrhundertealter Berufsstand verschwand endgültig aus der Region.

Eine unterirdische Stadt Zwischen 1981 und 2014 war die Anlage das pochende Herz der lokalen Energieversorgung. Aus einer Tiefe von bis zu 550 Metern holten die Kumpel unter schwersten Bedingungen Braunkohle ans Tageslicht. Das unterirdische Streckennetz umfasste gewaltige 50 Kilometer – eine echte Stadt unter der Erde. Über ein kilometerlanges Förderband wurde die Kohle direkt ins benachbarte Kraftwerk Vértes transportiert, um die Region mit Strom und Wärme zu versorgen.

Ein dunkles Kapitel Die Geschichte von Márkushegy ist jedoch nicht nur eine des industriellen Stolzes, sondern auch der Tragik. Ein schweres Unwetter führte im Juni 1983 zu einem Stromausfall und dem Stillstand der Belüftungsanlagen. Eine verheerende Gasexplosion kostete 37 Bergleute das Leben. Ein Unglück, das sich tief in das Gedächtnis der Menschen vor Ort eingebrannt hat.

Das Ende einer Ära Trotz noch vorhandener Kohlereserven wurde das Bergwerk Ende 2014 stillgelegt. Der Abbau tief unter der Erde war schlichtweg zu teuer geworden und die Anlage konnte ohne staatliche Subventionen, die durch EU-Vorgaben gestoppt wurden, nicht mehr überleben.

Heute stehen die Fördergerüste und Hallen still. Die Natur holt sich langsam das Terrain zurück, während die Gebäude als stumme Denkmäler der ungarischen Industriekultur zurückbleiben.